Der Einheizer 2005

Unser jährlicher Kommentar zum Stand der inzwischen 100jährigen Branche.
 
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Die Themen 2005:
  1. Heizungsoptimierung durch ....
  2. Überdimensionierte Gaskessel in Niedrigenergiehäusern
  3. Verschwendungspotenzial

Heizungsoptimierung durch ....

Immer wieder erreichen uns Briefe und Fragen, warum wir denn nicht dieses tolle Produkt [...] empfehlen, weil es bei dem Schreiber so und so viel Energie gespart hat. Oder die Aufforderung, doch mal bei der Firma [...] reinzugucken, die hätte mit dem [...] 36% Energieeinsparung erreicht.
      Wir werfen die Mails nie weg, ja wir schreiben auf diese Anregungen meist noch recht detaillierte Antworten, weshalb dieses Produkt sich vielleicht verkauft, aber unseren langfristigen und nachhaltigen Spar-Kriterien meist nicht genügt. Dazu also ein offener Brief an alle, die ihr Heil in simplen Geräten suchen, um Energie zu sparen.
      Wir wollen Energiesparen nicht komplizierter machen, als es ist oder diese Kompliziertheit als unsere Existenzberechtigung vorschieben: Sparen kann jeder einfach durch Abschalten! Da das aber nicht immer gut geht, weil Andere gewisse Komfortansprüche befriedigt haben wollen, ist das nicht so einfach mit 'Schalterumlegen' zu machen. Die Eckpunkte Sparen, Rentabilität und Komfort sind hier genau die gleichen wie bei einer Geldanlage: eben das magische Dreieck. Nimmt man die heutige Technik dazu, wird es ein magisches Tetraeder.
      Dem Eingeweihten stehen bei einer Heizungsanlage mindestens 9 Stellschrauben zur Verfügung. Wir suchen für unsere Kunden immer die effizientesten aus: Dann ergibt sich eine Geld-zurück-Zeit von 1 Jahr bis 10 Jahren.



Sehr geehrter Herr Beitzke,
ich finde Ihre Infos gut.
Allerdings vermisse ich eine besonders effektive und interessante Mothode der Engergieeinsparung und der Verlängerung der Lebensdauer von alten Heizkesseln durch Einbau einer Kiespackung und wundere mich, dass ich bei Ihnen darüber nichts finde.
      In 2004 ließ ich die Kiespackung installieren. Kosten 300 EURO.
Die letzte Messung durch den Schornsteinfeger in 2003 ergab einen Abgasverlust von 10%.
Nach Einbau der Kiespackung lt. offizieller Messung nur noch 5%.
Damit hat mein [...] VK17 jetzt fast Brennwertqualität.
Außerdem wies die letzte Abrechnung der Stadtwerke einen Gasminderverbrauch von 1.600 m³ aus.
Ich empfehle Ihnen, sich die Seite www.[...].de anzusehen. E-mail : ...
In Erwartung Ihrer Antwort verbleibe ich mit freundl. Gruß ....

 


Hallo Herr ...,
 
so eine Kiespackungen zu 300 Euro nutzt natürlich dem Hersteller.
Und Ihnen auch etwas.
Billiger wärs gewesen, sie hätten den Kies direkt oben drauf gepackt. Das geht nämlich auch. Wie beim Saunaofen.
      Das hat ein interessierte Elektroniker auch gemacht - aber nur als Notlösung, weil er nicht das Geld hatte, seinen museumsreifen Kessel zu tauschen. Denn ins Museum gehören die Atmos alle!
Deren Entwicklung ist aus den 1950ern des letzten Jahrtausends - das war damals die beste Entwicklung nach dem Lagerfeuer. Viele Firmen wie [...] haben die Gasvernichter zu Millionen verkauft. Ganze Scheichtümer und Russland haben wir damit reich gemacht....
Eigentlich müsste heute jeder Hersteller und jeder Handwerker bestraft werden, der so was noch an unwissende Kunden bringt.
      Dieser Elektroniker hat damit auch nur den Abgaswert seiner Brenngurke wieder auf Schorniniveau gebracht, nachdem er seinen völlig überdimensionierten Kessel auf die minimal mögliche Leistung gedreht hatte.
Damit und dem hydraulischen Abgleich und einer rücklaufgeführten Steuerung hat er dann 50% seiner Energiekosten gespart.
Und hat einen besseren Komfort.
 
Allein darauf kommts an.
Die Höhe des Abgasverlusts bei 17% Jahreslaufzeit ist zum Energiesparen ziemlich wurscht.
 
So ist denn die 'so einfache' Kesselverbesserung nach näherem Hingucken nur ein Teil einer fein abgestimmten Gesamtmaßnahme, wo nach 1 Jahr allein nur der Jahresnutzungsgrad entscheidend ist.
Ich musste das auch erfahren, seit ich 1990 mit Kesselverbesserungen anfing. Alles easy am Anfang - dann gehts richtig los.
 
Auch Sie könnten wesentlich mehr für sich rausholen als die 160kWh (88 Euro/a). Das liegt nämlich noch in der statistischen Schwankungsbreite der Verbräuche. Das nächste Jahr kann die Enttäuschung bringen, weil die Regelung noch nie was von Totalabschaltung bei der Heizgrenze gehört hat.
Alle Rezepte zum Sanieren gibt's auf dieser Website.
Projekte gibts auf: www.beitzke.de - Referenzen
 
Es wäre schön, wenn Sie das komplizierte Thema 'Energiesparen' auch bei sich im Verein verbreiten würden.
Denn was macht man mit einem Brennwert bei neuen Kesseln, den man gar nicht nutzen KANN, weil der Rücklauf des Systems IMMER viel zu heiß ist?
- Man zahlt nach einem Umbau weiter drauf und glaubt, man spart.
Wer will das schon?
 
Freundliche Grüße aus Aachen von
 
Dietrich Beitzke

 


Fazit: Wenn sanieren ==> zum richtigen Zeitpunkt und dann richtig.

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Überdimensionierte Gaskessel in Niedrigenergiehäusern

Heute gebaute Häuser haben per Gesetz einen maximalen Leistungsbedarf von 50 Watt/m². Je nach Ausführungsqualität noch weniger bis zu 35 W/m². Viele Heizungsbauer rechnen heute immer noch mit 100W/m².
      Dabei kommt es bei Flächen von meist 180m² zum Einbau von 18kW-Kesseln, die ohne schlechtes Gewissen eingebaut werden. Richtig wären maximal 6,3 kW bis 9kW. Auch Warmwasser ist mit einem Speicher so ohne Schwierigkeiten machbar. Ohne WW-Speicher werden 27kW-Geräte (deswegen) auch als Durchlauferhitzer eingebaut und kämpfen dann in Wohnungen, die 5kW max. Wärmebedarf haben, ständig mit Überhitzung nach sekundenlangen Laufzeiten. Das kann nicht ökonomisch sein!
      Dann werden zu den überdimensionierten Kesseln Einzelraumregelungen verkauft, die man letztlich als Verhinderer der Wärmeabnahme begreifen kann. Was dann damit für Problem entstehen: Dauerndes Takten des Kessels, hoher Verbrauch, hoher Verschleiß. Wenn man dann die Einzelraumregelung nicht hätte, würde man wenigstens merken, das es zu warm wird! So wird nur munter in den Kamin geheizt.
      Anbei ein Auszug aus den Schriftwechsel mit einem Ingenieuer, der dank seiner Ausbildung fähig war, sich der Probleme selbst zu entledigen, die ihm im Neubau eingebaut wurden:
 



Hallo Herr Beitzke,
unser letzter Kontakt ist jetzt schon eine Weile her, ich denke, Sie erinnern sich wieder wenn Sie die alte Mail lesen. Ich möchte mich einfach nur einmal bei Ihnen melden, um Ihnen den Stand der Dinge mitzuteilen damit Sie anderen Heizungsnutzern, die vielleicht mit den selben Fragen, wie ich sie hatte, an Sie herantreten, eine Hilfestellung geben zu können.
  • Zur Erinnerung hier noch einmal die Fakten:
  • Junkers CERASMARTMODUL in ZBS 3-16 MA23 mit außentemperaturgeführtem Regler TA211 E
  • Brenner taktet ca. 120 mal pro Tag
  • Heizung wurde mit Werkseinstellungen übergeben
  • ausführende Firma ist insolvent, es ist also keiner zum Fragen mehr da
  • habe auch mehrmals mit dem Kundendienst von Bosch/Junkers telefoniert...mit dem Ergebnis, daß alles in Ordnung sei.
  • hydraulischen Abgleich auf Ihre Empfehlung hin selbst erledigt, hat aber keine Änderung (des Taktens) gebracht
(alle folgenden Aussagen hier treffen auch auf Junkers CERASMART und SUPRAPUR zu)
 
Problemlösung:
In den Serviceeinstellungen gibt es eine Funktion 5.5 "Erhöhung der min. Heiz- und Speicherladeleistung"(in %). Dieser Wert steht bei Werkseinstellung oder nach RESET auf 35%. Das sind etwa 6kW laut Handbuch.
      Diese Einstellung ist allerdings nicht in dem normalen mit der Therme mitgelieferten Handbuch erwähnt (und erweiterte Unterlagen gibt Junkers nicht an Endkunden). Ich konnte mir aber von einer Heizungsfirma das Handbuch "Serviceheft für den Fachmann" ausleihen, dort ist diese Funktion beschrieben. Sie läßt sich bis 26% herunterregeln (ca. 3kW laut Handbuch).
      Durch Veränderung dieser Einstellung konnte ich die Anzahl der Brennerstarts erst einmal halbieren und habe nun eine Grundlage um weiter zu optimieren (...die ZBS 3-16 kann also nur auf 3 kW runtermodulieren wenn diese Einstellung verändert wird !!!!) Ich frage mich allerdings warum mir das nicht auch der Servicemensch von Junkers sagen konnte....???
 
In diesem Zusammenhang ist noch eine andere Servicefunktion von Bedeutung:
Unter 2.9 wird bei laufendem Brenner angezeigt, mit welcher momentanen Leistung (in %) der Brenner arbeitet. Somit konnte ich feststellen, daß die Regelung auch bei den momentanen Temperaturen dem Brenner nur 26% Leistung vorgibt.
 
Ich hoffe daß ich Ihnen hiermit Hinweise geben konnte, die vielleicht Fragen anderer Leute klären können.
 
Hier noch einmal die mir zur Verfügung stehende Literatur:
  • Installations- und Wartungsanleitung für den Fachmann CERASMARTMODUL (wurde mir mit der Therme zusammen übergeben)
  • Serviceheft für den Fachmann CERASMART, CERASMARTMODUL, SUPRAPUR (war schwer zu besorgen, hat aber schließlich den "Durchbruch" gebracht)
Mit freundlichen Grüßen
....

 


Hallo Herr ....,
 
Ich darf nochmal zusammenfassen:
  1. Ihr MAXIMALER Wärmebedarf liegt bei 3,73...5kW bei -12°.
  2. Sie benötigten eigentlich einen Kessel, der zwischen 0...4kW modulieren kann, haben aber einen 4fach überdimensionierten.
  3. Sie mussten den hydraulischen Abgleich selbst machen, obwohl der zur Pflichtleistung der Installation gehört.
  4. Dadurch konnten Sie die Pumpenleistung verringern und Strom sparen.
  5. Selbst der Hersteller konnte Ihnen nicht sagen, wie Ihr Problem des massenhaften Taktens zu lösen sei.
  6. Sie mussten sich um alles selbst kümmern, um zu einem akzeptablen Betrieb zu kommen.
Freundliche Grüße aus Aachen von
 
Dietrich Beitzke

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Verschwendungspotenzial

Dieses so aussagekäftige Wort wurde von einer Arbeitsgruppe der TH Braunschweig gebildet, als sie für das Projekt Optimus forschten. Wenn man sich daraufhin die 2005er-Grafik der Entwicklung des Heizölverbrauchs von techem ansieht, werden Sie mir Recht geben, dass dieses Verschwendungspotenzial in Deutschland noch lange nicht beseitigt ist:

  • 1977 bei fast 30 Liter/m² (300 kWh/m²)
  • 2001 bei ca. 13 Litern/m² (130 kWh/m³) gelandet.
Ein vernünftiges Ziel der Bundesrepublik Deutschland kann nur sein, sich von Öl- und Gasimporten unabhängiger zu machen, um der langfristigen Erpressung aller Art darüber zu entgehen. Dazu müssen wir vorrangig das 'System Haus' in den Griff bekommen. Auch wenn 50...60% aller Ölreserven im Verkehr verheizt werden, verschlingt der Anteil der Beheizung von Wohnungen gut 90% der im Haushalt eingesetzen Energie. Hier hat bisher jede Regierung versagt, starke Anreize für Alternativen zu setzen. Es ist unseren Parlamentariern schlicht egal, wie unser Lebenstandard in 20 Jahren aussehen soll. Zukunft ist eben kein Feld der Politik.
      Nach dem Statistischen Bundesamt lebten 'im April 2002 in Deutschland knapp 29% aller Haushalte in einem Einfamilienhaus, rund 18 % in einem Zweifamilienhaus und über 53% in Wohngebäuden mit drei und mehr Wohnungen.'
Gerade die 29%+18% der Eigentümer können schnell, preiswert und unbürokratisch ihr Verschwendungspotenzial vermindern, das sind 15,1 Millionen Wohnungen. Ein riesen Markt für Handwerker und (seriöse) Energieberater, s.o. :-)
      Im Moment schläft der Riese noch und mit ihm die Handwerker, die das Thema 'Energiesparen' eher defensiv angehen. Ich denke, dass sich so ab 2010 die Energieberater vor Arbeit nicht mehr retten können. Bei uns hat das 2005 schon angefangen.

Energiesparen ist eine sofort einsetzbare Ressource. Alle Techniken sind vorhanden!


      Viel Erfolg beim Sparen, Ihr Dietrich Beitzke
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Seite erstellt am: 16.12.2005, letzte Änderung 13:02 5.7.2016, Dienstag